Achtsamkeit

Du muss achtsam sein heißt es. Achtsamkeit ist in aller Munde, Achtsamkeit ist hip, Achtsamkeit braucht die Welt.
Sei achtsam während du 10 Sachen gleichzeitig machst, sei achtsam während du schon die nächsten zehn Schritte planst. Seich achtsam während du denkst, machst, tust. Sei achtsam, während unzählige E-Mails eintrudeln, das Handy läutet und Berge an Arbeit vor dir liegen. Sei achtsam, wenn du nach der Arbeit einkaufen gehst, in überfüllte Läden voll mit gestressten, hektischen Menschen. Seich achtsam, wenn du hundemüde bist, heimkommst und dich um deine häuslichen Pflichten kümmerst, wenn du dich kurz mit deinem Partner darüber unterhaltest wie achtsam dein Tag war. Sei achtsam während du dich ausziehst und in den Spiegel siehst und dir denkst mach mehr Sport. Sei achtsam, wenn du den Fernseher einschaltest damit sich deine Gedanken endlich beruhigen und du dich von irgendeiner belanglosen Serie berieseln lasst. Sei achtsam.

 

Und trotzdem war ich achtsam. Achtsam genug, um zu merken wie das Leben an einem vorbeizieht, obwohl die ganze Welt von Achtsamkeit spricht. Achtsam genug, um zu sehen, wie ich es schaffe belanglose Sachen als Prioritäten meines Lebens anzusehen. Achtsam genug, um zu merken, dass ich das nicht möchte. Achtsam genug, um in manchen Situationen kurz inne zu halten und diesen klitzekleinen Moment zu genießen und genau diesen Moment wie eine Ewigkeit wirken zu lassen. Diesen kurzen Moment loslassen und mir bewusst machen, wenn ich möchte kann ich die die Pause-Taste drücken und einfach nur sein. Dieser Moment indem die Gedanken versickern und der Geist zur Ruhe kommt fühlt sich an wie eine Ewigkeit- wo Zeit und Raum relativ sind. Diese kleine Insel der Ruhe, gibt mir die Kraft und die Möglichkeit in mich hinein zu hören, mich zu spüren. Es gibt mir die Möglichkeit Selbstliebe zu erfahren und mir zu sagen wie wunderbar ich bin. Um zu erkennen wer ich bin oder wer ich vorgebe zu sein, welche Werte ich vertritt. Und wenn du dann erkennst wer du bist und was du willst, wirst du deine Prioritäten neu sortieren. Du wirst Abstriche machen und du wirst Zeit schaffen, für die Dinge, die dir wichtig sind, für dich selbst. Und du wirst dich sehr langsam, aber achtsam verändern.

 

Anhalten

Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
in Ruhe wahrnehmen,
was um uns ist, was uns schützt, bedroht, erfreut,
fordert, fördert,
uns neu einstellen und ausrichten.
Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
sich hinsetzen und setzen lassen,
was sich in uns bewegt.
Unsere Strukturen wahrnehmen,
sehen, was und wie wir sind.
Dann und wann das Tempo verlangsamen,
anhalten,
aus unserer tiefe Bilder aufsteigen lassen, dankbar sein und sehen,
was sie uns zeigen wollen,
wohin sie uns weisen.

Max Feigenwinter